Durch eine Partnerschaft der Marathons in Leipzig und Frankfurt, bekommt die jeweils andere Stadt ein gewisses Kontingent an Freistarts. Darüberhinaus wird über den Startsportbund die Hin- und Rückfahrt, sowie die Übernachtung organisiert. Traditionell sind auch immer einige Lauffreunde der LG eXa dabei und so hatte ich mich entschieden, dort den Sub 3 2:57 Angriff zu versuchen. Der Ablauf ist im Großen und Ganzen so: Samstag Anreise, Marathonmesse, Startunterlagen, Abendessen, Schlafen und Sonntag: Laufen, Heimfahrt. Insgesamt ist alles so super organisiert, dass man wirklich nur alleine laufen muss.
Nach der Ankunft im Hotel wurde noch ein kleiner Lockerungslauf durchgeführt und dabei festgestellt, dass das Zwicken der Wade, die am Donnerstag noch fachkundig durch Alexander Sekora versorgt wurde, wirklich nur im Kopf existierte und dem Start nichts mehr entgegenstand. Bis 30 wird sie wohl halten und ab da habe ich andere Probleme. Durch die Zeitumstellung durften wir alle eine Stunde länger schlafen, wovon meine innere Uhr aber nichts wusste und so musste mein Zimmerkollege Thomas die gesamte Hibbeligkeit ertragen. Nach dem Frühstück ging es dank Komfort-Komplett-Paket mit dem Bus direkt auf das Startgelände, aber so abgeschieden, dass man sich in Ruhe Einlaufen konnte und sogar die Toiletten einer Messekantine nutzen konnte. Ca. 15 Minuten vor dem Start ging ich mit Jonny, der heute nur knapp unter 3h laufen wollte und an dem ich so lange, wie möglich dranbleiben wollte zum Startbereich, hinterließ noch eine Markierung an einem hohen Gebäude und kletterte dann mit ihm in unseren Startblock. Da war ein furchtbares Gedränge und ich bekam ein Gefühl, für die Größe der Veranstaltung.
Der Startschuss fiel und wir setzten uns recht langsam in Bewegung. Die Linie kam nach ca. 40 Sekunden und das Rennen begann. Den ersten Kilometer mussten wir leicht Slalom laufen, waren aber mit 4:15 gut im Plan. Die Kilometer flogen dann mit 4:06 – 4:12 nur so vorbei. Ungefähr bei Kilometer 12 liefen wir auf den 3h Läufer auf, konnten ihn aber schnell überholen und hinter uns lassen. Bei km 14 standen Markus und seine Groupies und schrieen uns voran. Auch meine Eltern waren an den Abschnitt gekommen und ich freute mich, sie zu sehen. Halbmarathon war bei ca. 1:28 erreicht und alles im Plan. Meine Gedanken kreisten nun schon um die berüchtigte Mainzer Landstr., die sich wohl ewig hinziehen soll. Bis dahin waren es aber noch 5-7 Kilometer, die immer noch recht flüssig absolviert werden konnten. Ich bemerkte nun schon eine gewisse Müdigkeit und auch, dass Jonny frischer war und ich ihn wohl bald ziehen lassen musste. Bei km 32 hatte ich für die 3h Grenze noch 45 Minuten Zeit und da grob überschlagen, dass nun 10 x 4:30 reichen werden. Jonny ging nach vorn und bis zum Ziel sollte er noch 3 Minuten rauslaufen.
Ich wusste, dass das noch hart werden würde und versuchte nun, das Tempo, so gut es ging, hochzuhalten. Als km 33 und 34 mit 4:17 und 4:16 weggingen, jubelte ich innerlich etwas, wurde dann aber mit 4:21, 4:28, 4:25 etwas gedämpft, bekam aber da schon nicht mehr allzuviel von der Umgebung mit. Kurz nach 37 überholte mich der 3h Läufer und eine Panik stieg hoch: Wie kann das sein, so schlecht waren die Splits doch nicht, wo kommt der her. Ca. 3 Minuten kämpfte ich mit dem Gedanken, dass alles sinnlos war und das ich aufhöre. Ich wusste aber, dass ich beim 37 eine 2h35min auf der Uhr gesehen hatte und so grob überschlagen ein 5er-Schnitt immer noch reichen würde. Dort stand auch Marcus, mit dem ich so viele Kilometer trainiert hatte und der kurz vor dem Start leider verletzungsbedingt absagen musste, noch einmal und sein: “…mach es bitte auch ein bisschen für mich…”, beflügelte mich nochmal. Bei km 40 hatte ich noch 11 Minuten übrig und als bei 41 immer noch fast 7 Minuten Puffer waren, wusste ich, dass es klappen wird. Vom letzten Kilometer weiß ich nicht mehr viel, sehr rätselhaft ist insbesondere auch, was für Menschenmassen auf dem Video meines Zieleinlaufes zu sehen sind, denn in meiner Erinnerung bin ich ganz alleine in die leere Halle gelaufen. Die Uhr über der Linie zeigte 2:59:xx (Brutto) und ich konnte mein Glück kaum fassen – ja, es hat gereicht. Bei 02:58:55 stoppte die Uhr für mich und auf der Linie fiel mit der Anspannung auch mein Puls so sehr in den Keller, dass ich mich erstmal festhalten musste.
Als mir draussen Jonny gratulierte, konnte ich es noch gar nicht richtig fassen. Auch während der Zielverpflegung war ich ziemlich gefasst und ging sehr langsam in Richtung Bus. Erst als ich meine Tasche von dort geholt hatte und auf dem Weg zum Duschen war, realisierte ich richtig, was da passiert war. Ich konnte gar nichts dagegen tun und musste immer wieder losheulen und zwischendurch einfach nur schreien.
Der Marathon in Frankfurt war auch sonst sehr gut organisiert: Streckenverpflegung, Kilometrierung, Zeitmessung aller 5km, Zielverpflegung – alles sehr vorbildlich. Insbesondere die Stimmung an der gesamten Strecke ist Wahnsinn.
Bedanken muss ich mich in erster Linie bei meiner lieben Susi, weil sie mich immer so schön trainieren lassen hat. Darüberhinaus aber auch bei meinen Lauffreunden der exa, dem Planschreiber von Marathon Austria, sowie meinem neuen Trainer Jens.
PS:
Die postmarathonalen Schmerzen waren(und sind) auch diesmal vorhanden, aber irgendwie lassen sie sich viel besser ertragen
Strecke